Dienstag, 14. April 2015

Hermès // Un Jardin après la Mousson


Sommer bedeutet für mich vor allem: olfaktorische Erinnerungen! Egal ob Erdbeereis, die salzige Luft am Mittelmeer, Sonnencreme auf geschwitzter Haut oder Gucci Envy Me, das Parfum, das mich durch die erste Phase richtig krassen Verliebtseins 2007 trug und mir bis heute Bauchkribbeln beschert. Auch wenn sich meine Duftvorlieben im Vergleich zu früher etwas gewandelt haben, so schwirrt mein Kopf trotzdem voller Geruchsmomente und nicht selten habe ich bei Patrick Süßkinds Das Parfum schmunzeln müssen, weil es mir ab und an tatsächlich genauso geht - natürlich ohne die fatalen Ausmaße des Monsieur Grenouilles!
Letztes Jahr liebte ich Maison Martin Margielas Beach Walk, 2013 war es Black Berry & Bay von Jo Malone.
Bei mir hat jeder Sommer seinen eigenen Duft und dieses Mal könnte es Un Jardin après la Mousson von Hermès werden. Eines vorweg: bei Hermès und seiner fantastischen Jardin-Reihe (merci beaucoup, J.-C. Ellena) habe ich immer das Gefühl, die Düfte seien bloß für mich kreiert worden. Das mag leicht abgehoben wirken, aber wer dieses Gefühl kennt, weiß was ich meine. Mir geht keines der Parfums mehr aus dem Kopf, ich schnuppere ständig an meinem Handgelenk und stürze in Parfümerien zuallerst an den Hermès-Counter. Ich will sie allesamt in meinem Badezimmer aufreihen und mich jeden Tag ob der genialen Komposition erfreuen! Den Anfang macht Un Jardin après la Mousson, ein würziger und extravaganter Duft, der sich so vielseitig entwickelt, wie es mein Sommer ihm hoffentlich gleich tun wird.

Un Jardin après la Mousson ist keiner dieser typischen Sommerdüfte à la Kokosnusswasser und aquatischen Salzwasserfloskeln, aber trotzdem hitzig und niemals unterkühlt. Ein Tag am Meer und fröhliche Spaziergänge über bunt blühende Blumenfelder erscheinen mir auf meiner imaginären Assoziationsreise definitiv nicht. Jean-Claude Ellena himself beschreibt den Duft als "ein ausgeglichener, heiterer Ausdruck der nach dem Monsunregen neu erwachenden Natur". Dazu inspiriert hat ihn seine Indienreise, die sich auch in der Zutatenliste wiederspiegelt. Ingwer, Kardamom, Pfeffer, Koriander und Vetiver machen aus dem auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkenden Duft ein absolutes Fest der Gerüche! Am stärksten nehme ich den Vetiver und Kardamom wahr, zwei Komponenten, die sich in sehr vielen meiner Lieblingsdüfte finden und oftmals ein Garant für einen neuen Favoriten sind. Der Clou: in Un Jardin après la Mousson befindet sich echtes indisches Wasser, das aus dem Monsunregen gefiltert wird! Einige Beautys schwören auf die Aufbewahrung im Kühlschrank, das soll den erfrischenden Effekt noch verstärken. Doch was ist das Parfum nun, wenn es weder an das klassische Meererlebnis, noch an Mandarineneis to go erinnert? Es ist eine Reise. Eine Reise ins Verborgene, in die Welt der uns Europäer teilweise unbekannten Düfte und eine würzige Auszeit der omnipräsenten Sonnencreme-Koketterie. Ich sehe mich selbst in einem kleinen indischen Dorf, fernab von Großstadtlärm und Hektik, auf einer reich bewachsenen Veranda sitzen. Es ist bereits spät abends, der laue Wind weht mir durchs Haar und dabei nehme ich immer wieder zarte Akzente des Parfums wahr, das so besonders und einfallsreich ist, das mir manchmal die Worte dafür fehlen. Die Pfeffernoten unterstreichen die scharfen Nuancen des Duftes perfekt, ein Eindruck der bleibt. Für mich wird der Sommer 2015 im indischen Dschungel stattfinden, ganz ohne Kokos, Pampelmuse und Aquapower! Ein Meisterwerk, Herr Ellena und schon jetzt ein Dauerbrenner auf meiner Kommode.

-do it like the indians-

Kommentare:

  1. Du verstehst es wirklich, Düfte so zu beschreiben, dass man tatsächlich ein Gefühl dafür bekommt, wie sie riechen könnten! Ganz toll! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh Du Liebe, das freut mich so sehr! Ich liebe es, Duftreviews zu schreiben und wenn sie gut ankommen, ist das für mich natürlich noch toller:)

      Löschen