Dienstag, 21. März 2017

The Munich Experience // Isar-Roadtrippin'


Was die Bayern an ihrem Land so lieben, habe ich spätestens vergangenes Wochenende gelernt. Eigentlich war für Samstag und Sonntag ziemlich beschissenes Wetter gemeldet, aber ich habe mal eine kleine Auszeit gebraucht und wollte unbedingt in die Natur - Witterung egal. Ich genieße den glücklichen Zustand, dass wir mittlerweile eine Wohnung am Tegernsee besitzen und so fährt es sich auch mal relativ spontan ins herrliche Oberbayern. Samstag stieg ich ins Auto und habe mich auf den Weg zu meinem geliebten Sylvensteinspeicher gemacht - ein Ort, der auf mich aufgrund seiner fast obskuren Schönheit eine unglaubliche Faszination ausübt.


Der Sylvensteinspeicher ist ein Stausee mit fast sieben Quadratkilometern Fläche, der sich umringt von einem herrlichen Alpenpanorama befindet. Urspünglich wurde er im Isartal zwecks Hochwasserschutz gebaut, heute ist er außerdem ein beliebtes Ausflugsziel bei allen naturaffinen Liebhabern und dient an heißen Tagen sogar als Badesee. Die Nuancen des Wassers changieren von sämtlichen Grüntönen bishin zu einem krassen Türkis, das sogar an bewölkten Tagen an Kanada erinnert. Wahrscheinlich wird dieses Fleckchen Erde von Lenggries nach Bad Tölz auch deswegen Bavarian Canada genannt! Beim Anblick dieses Naturschauspiels fällt es wirklich schwer zu glauben, dass man sich in Deutschland befindet - wenn auch ganz knapp vor der österreichischen Grenze. Denn wer an dieser Stelle noch nicht genug von voralpinen Seen hat, der sollte seine Route von dort aus geradewegs zum Achensee steuern, der quasi direkt nebenan liegt (und die 25 Extrakilometer lohnen sich).


                            Vom Sylvensteinspeicher übers Isartal nach Garmisch-Partenkirchen


Eigentlich wollte ich Sonntag tatsächlich zum Achensee fahren. Ein Stau auf der Autobahn direkt hinter der Grenze und die etwas fortgeschrittene Tageszeit (man muss ja auch mal ausschlafen dürfen) haben mich dann aber abrupt von diesem Vorhaben abgebracht. Was sich im Nachhinein als einer der glücklichsten Zufälle ever entpuppt hat. Ich liebe Autofahren  - eine Sache, die ich in der Stadt echt vermisse - und kann stundenlang bei guter Musik in der sprichwörtlichen Wallachei umherfahren und mich an der sich verändernden Umgebung erfreuen. Eins vorweg: ein Auto ist für diese Tour wirklich von Vorteil. Die Strecke wird zwar von Bussen befahren, die halten aber nicht an jeder x-beliebigen Stelle und man möchte wegen drei Fotos (und die muss man hier schießen) ja nicht gleich auf den nächsten Anschluss in einer Stunde warten.


Die Tour ist im Prinzip ganz easy: man folgt der Straße am Sylvensteinspeicher immer geradeaus (Richtung Fall) und biegt dann rechter Hand nach Garmisch-Partenkirchen ab. Dabei sollte man sich von der Am Ende der Welt-Atmosphäre nicht verunsichern lassen, denn tatsächlich führt dieser holprige Weg über eine klitzekleine Holzbrücke und scheint im ersten Moment eher inoffiziell befahrbar. Dass ich mich von solchen Begebenheiten nicht aus der Ruhe bringen lasse und lieber meiner neugierigen Nase folge, habe ich wohl meinem Papa zu verdanken. Und manchmal wird man für diese Abenteuerlust eben auch mal mit atemberaubenden Aussichten belohnt. Denn die Isar verwandelt sich hinter der Brücke zu einem kleinen Paradies und wird immer schöner.


Ich habe diese Tour übrigens alleine gemacht und kann sie wirklich nur allen Liebhabern von absoluter Ruhe empfehlen (egal ob Mann oder Frau). Das Alpenpanorama und die wahnsinnige Schönheit der Berge in Kombination mit einem aquatischen Farbspiel der Superlative verschlagen einem so sehr die Sprache, dass ohnehin jedes gesprochene Wort absolut überflüssig wäre. Einfach mal den Moment genießen, that's it.



Liest man sich einmal die Tourguides und Beschreibungen der Strecke durch, fallen immer wieder Stichworte wie "Fjord" und "Kanada". Und na ja, wenn wir mal ehrlich sind, kann man die verblüffende Ähnlichkeit auch kaum leugnen, oder? Gerade die hinteren Ausläufe des Sylvensteinspeichers erinnern immens an Neuseeland und seine Auen und sollen auch im Sommer ein kleines Badeparadies sein. Ihr wisst also, wo ihr mich in ein paar Wochen regelmäßig finden werdet. Dank Bayern werde ich wohl noch zum sommerlichen Deutschlandfan.


Übrigens gehört die Strecke schon zur offziellen Deutschen Alpenstraße. Massenverkehr steht hier aber glücklicherweise nicht auf der Tagesordnung und bis auf ein paar vereinzelte, ähnlich faszinierte Menschen, war ich gänzlich allein mit all der Schönheit um mich herum. Und Leute ich sags Euch, das war besser als jeder Kurzurlaub! Wahrscheinlich bin ich längst ein bisschen süchtig nach diesem Fleckchen Erde und dreimal dürft Ihr raten, wo es für mich Freitagnachmittag hingeht. Man muss sich eben ständig sehen, wenn man verliebt ist.



Und für die perfekte musikalische Begleitung würde ich Euch das Boiler Room Dekmantel-Set 2014 
von Motor City Drum Ensemble ans Herz legen. Summer and chillin' and trippin'. Hach, des bassd scho.

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